Born to be wild – SHARKPROJECT wildert Katzenhai-Youngster aus.

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14.08.2007 17:23
Kategorie: News
Offenbach, 2.8.2007: Haie stehen weltweit vor der Ausrottung, das ist inzwischen breit bekannt. Wenn aber über die Ausrottung von Haien berichtet wird, sind es meist die spektakulären Arten, wie der Weiße Hai, Blauhaie, Mako, Tigerhaie etc. Wer spricht schon über Dornhaie, die wir als Schillerlocke kennen oder über Katzenhaie. Beide Haiarten haben in den europäischen Meeren bereits Rückgänge über 90% zu verzeichnen und sind in höchstem Maße bedroht. Mit der Kampagne „Born to be wild“ will die Internationale Haischutzorganisation SHARKPROJECT dieses Problem in die Öffentlichkeit bringen. Dazu wurden vor über einem Jahr einem Fischer auf Elba gefangene Katzenhaie abgekauft und diese dann in einer speziell umgebauten Zuchtanlage in Coburg zur Paarung gebracht. Ziel ist es, in einer spektakulären Aktion rund 500 Katzenhai-Babies der ersten Generation zu bekommen, die dann vor Elba - in dem Gebiet in dem ihre Eltern gefangen wurden - wieder ausgewildert werden. Diese Menge entspricht dem Tagesfang eines Fischers im Mittelmeer. Es sollte gezeigt werden, welcher Aufwand und welche Mühe die Aufzucht dieser Tiere verursacht und dass die aktuellen unreglementierten Fangmengen und –methoden ein drastischer Raubau an den Populationen sind.
In einer spektakulären Aktionen wurden jetzt die ersten 150 dieser Tiere mitsamt ihren Eltern im fischereigeschützten Unterwasser-Nationalpark Parco Natzionale Arcipelago Toscano wieder ausgewildert. Dies natürlich im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und mit ausdrücklicher Unterstützung des italienischen Nationalparks und viel praktischer Hilfe des Hydra Meeresinstitutes auf Elba. Begleitet wurde die gesamte Aktion von einem Fernseh-Team der VOX-Sendung „Tierzeit“. Voraussichtlicher Ausstrahlungstermin ist der 15.9.2007.


Mehrere Male am Tage mussten die Tauchergruppen nach unten, um in 40 mtr. Tiefe kühles Tiefenwasser an die Oberfläche zu bringen. Nur so ließ sich bei den hohen Oberflächentemperaturen des Mittelmeeres, der Kühlkreislauf des Katzenhai-Transportes sichern.
Fotograf: Christine Gstöttner © Sharkproject 2007


Die eigentlich schon für das Frühjahr geplante Auswilderung wurde verzögert durch die seit einigen Monaten extrem hohen Oberflächentemperaturen des Mittelmeeres. Aufgrund der Größe einiger Jungtiere wurde es aber notwendig trotzdem jetzt erste Auswilderungen vorzunehmen. Auch das Halten der Elterntiere war nicht mehr notwendig, da die Anzahl von 500 gesunden Nachkommen bereits erreicht war.

Das Auswilderungsverfahren im Detail:
Die Katzenhaie werden in ihren ersten Lebensmonaten in konstanten Temperaturen gehalten und dann in einem geschlossenen Kühlkreislauf von 15 Grad transportiert und ausgewildert. Das entspricht einer Temperatur in etwa 40 mtr. Tiefe. Diese Tiefe und das Auswilderungsgebiet mit vielen Höhlen und Überhängen wurde gewählt, um den Tieren von Anfang an optimale Überlebensmöglichkeiten zu garantieren.
Die Oberflächentemperaturen von 28-32° im Sommer machten die ursprünglich geplante Auswilderungsmethode der Junghaie mit einem sich selbstständig öffnenden Transportkorb unmöglich, denn einen Temperaturschock von 15 auf 28 Grad wäre zu gefährlich für die Tiere. Doch die Tiefe und damit die Temperatur von 15 Grad waren eine feste Größe, vorgegeben durch die involvierten Experten. Um die ersten Tiere aber dennoch gefahrlos in die Freiheit entlassen zu können, mussten die Taucher ran! Zunächst wurde in einem Tieftauchgang mit einem Transportfass 15 Grad kühles Tiefenwasser an die Oberfläche gebracht. In dieses Fass wurden die Tiere dann im Verhältnis 1 Tier zu 50 l Wasser umgesetzt mit gleichbleibender Transporttemperatur. Danach wurde das Fass von den Tauchern wieder auf 40 mtr. Tiefe gebracht und die Tiere dann nach einer kurzen Gewöhnungszeit behutsam ausgewildert. Gut für die Tiere aber schlecht für die Taucher, die zwar in Schichten organisiert waren aber deren Tauchprofile trotzdem am Ende der Aktionen erhebliche Dekozeiten hervorbrachten. Ausgewildert wurden deshalb zunächst nur die größten Tiere und die Eltern. Die weiteren Auswilderungstermine werden in den folgenden kühleren Jahreszeiten durchgeführt, wenn die Oberflächentemperaturen des Mittelmeeres auf Werte von 15 Grad gesunken sind. Dann ist es wieder möglich die Tiere bereits an der Oberfläche in einen offenen Transportkorb zu bringen und langsam nach unten in spezielle Nursegebiete zu bringen. Für die Taucher fällt somit ein zusätzlicher und vor allem sehr tiefer Tauchgang weg und auch Regionen mit passender Topografie in geringeren Tiefen können gewählt werden!
Als Berater fungierte hier unter anderem auch Dr. Ekkehard Wolff, der ehemalige Aquarienleiter des Zoos Schönbrunn und Peter Faltermeier, der Fachmann des Seastar-Aquariums in Coburg. Bis zu den nächsten Auswilderungstermin sind die restlichen Tiere in der Aufzuchtstation des Sesastar Aquariums in Coburg gut aufgehoben.


Maximal 10 Tiere, das entspricht 1 Tier auf 50 Liter Wasser wurden in einem Zug ausgewildert. Die wagemutigeren Haibabies schwammen von alleine in die Freiheit, bei anderen mussten die Taucher behutsam nachhelfen.
Fotograf: Christine Gstöttner © Sharkproject 2007


In der freien Natur hätte grob geschätzt nur eins von 1.000 Katzenhai-Nachkommen die Chance zu überleben. Mit der Aktion „Born to be wild“ konnte eine Schlupf- und Überlebensquote von weit über 80% erreicht werden. Um das Überleben der Tiere in der freien Natur zu sichern, wurden die Babies von Anfang an mit Lebendfutter ernährt, sodass sie gleich jagen mussten. Parallel werden die Tiere erst ab mindestens 30 cm Länge ausgewildert und das in speziellen Nursegebieten, d.h. Unterwasserformationen, die ihren zugleich Nahrung und Versteckmöglichkeiten bieten. Die Kosten bis zur Auswilderung der Tiere betragen rund 100,-- Euro pro Tier, wobei ein Teil über Patenschaftsspenden (35,-- Euro) eingebracht wurde. Die Differenz wurde aus Eigenspenden von Sharkproject-Mitgliedern und den Inhabern des Seastar-Aquariums bestritten. Aufgrund dieser Kosten wurde auch entschieden, die Aktion nicht wie geplant weiterzuführen. Es wurde sehr deutlich welcher Aufwand notwendig ist, um Haie zu züchten.
Insgesamt werden 500 Tiere ausgewildert – dahinter steckt ein erheblicher zeitlicher Aufwand für Betreuung, Pflege und ein ebenso erheblicher finanzieller Aufwand für Futter und sonstige Kosten. Diese Zucht- und Auswilderungsmenge wurde bewusst ausgewählt, denn sie entspricht in etwa der durchschnittlichen Fangmenge eines Fischers im Mittelmeer pro Tag. Auf dem Fischmarkt erhält er dafür rund 120,-- Euro. Zumindest solange bis es keine Katzenhaie mehr gibt,! Und diese Zeit ist nicht mehr fern bei Rückgängen von über 90% in den letzten Jahren. Weitere Informationen über die drohende Ausrottung der Haie gibt es unter: http://www.sharkproject.org


Die Topografie der Nurse-Gebiete wurde sorgfältig ausgewählt. Höhlen, Überhänge und Canyons bieten ideale Deckungsmöglichkeiten für die kleinen Haie.
Fotograf: Christine Gstöttner © Sharkproject 2007