Beifang gefährdet Fischbestände

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30.06.2008 15:42
Kategorie: News
Hamburg - Die Kabeljaubestände in der Nordsee stehen nach Einschätzung von Experten vor dem Zusammenbruch. Die Fangquoten müssten auf Null gesetzt werden, bis sich der Bestand von der jahrelangen Überfischung erhole, forderte die Umweltorganisation WWF von den Fischereiministern der Europäischen Union. Die Fischerei habe erneut bewiesen, dass sie mit den Meeresressourcen nicht verantwortungsvoll genug umgehe.

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Die Erholung der Kabeljaubestände im vergangenen Jahr führte dazu dass der Internationale Rat zur Erforschung der Meere (ICES) die Fischerei in geringem Maße als vertretbar befürwortet hat. Nach den neuesten – erschreckenden Ergebnissen – revidierten die Meeresforscher ihre Haltung und empfehlen nun die komplette Einstellung der Nordsee-Fischerei.

Der Beifang führt zu immensen Umweltproblemen

Offenbar sei die leichte Erholung für die Fischereiindustrie ein Signal gewesen, die Bestände noch rücksichtsloser auszubeuten, sagte WWF-Fischereireferentin Karoline Schacht. Man fischte nicht nur zuviel, sondern vor allem viel zu viele kleine Fische. Der Kabeljau geht dem WWF zufolge auch beim Fang auf andere Arten wie dem Kaisergranat oder Schellfisch ins Netz. Hunderte Tonnen zu kleiner Exemplare würden dabei ungenutzt wieder über Bord geschmissen und nicht auf die Fangquote angerechnet.

"Mittelfristiger Selbstmord"

Für den WWF ist es ein Skandal, dass der sogenannte Rückwurf derzeit ebenso hoch ist wie die Menge des angelandeten Kabeljaus. Mit diesem verschwenderischen Raubbau bringt die Fischerei nicht nur den Kabeljau in Bedrängnis sondern entzieht sich auch selbst die Lebensgrundlage. "Mit diesem verschwenderischen Raubbau bringt die Fischerei nicht nur den Kabeljau in Bedrängnis, sondern sie begeht mittelfristig Selbstmord", sagte Schacht. Der WWF forderte, in den Fischereien mit viel Kabeljau-Beifang umgehend auf technische Lösungen zu setzen, die das Problem zumindest minimieren könnten.