Bedrohte „Hotdog-Seegurke“

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31.03.2016 06:24
Kategorie: News

„Staubsauger der Meere“ durch Überfischung und Meeresverschmutzung stark gefährdet

Seegurken, die Vettern von Seesternen und Seeigeln, sind besonders anfällig für Meeresverschmutzung und Überfischung. Wissenschaftler schlagen jetzt Alarm, da dies eine schlechte Nachricht für die Meeresökosysteme weltweit ist.

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Holothuria edulis ist eine Seegurkenart, die eine wichtige Rolle Ozean spielt -  trotz ihrer frapanten Ähnlichkeit mit einer roten dänischen Hotdogwurst, der rød pølse. In einer neuen genetischen Studie spielt diese „Hotdog-Seegurke“ die Hauptrolle. Untersucht wurde die Rolle der Seegurke im Ökosystem rund um die japanische Insel Okinawa sowie deren extreme Anfälligkeit gegenüber Umweltstress und Überfischung.

Das Forscherteam, darunter ein Experte von der California Academy of Sciences, mahnt, dass ihre Studienergebnisse ein dringender Aufruf für ein verstärktes Fischereimanagement und Schutz für die ökologisch wichtige Seegurken mit ihrer Rolle als „Staubsauger der Meere“ seien. Die Studie wurde in der Zeitschrift Conservation Genetics veröffentlicht.

Seegurken sind mit ihren weichen Körpern wirbellose Meerestiere, die in unzähligen Größen, Formen und spannenden Farben in allen Ozeanen der Erde vorkommen. Insgesamt gibt es mehr als 1.500 verschiedene Arten.

"Es ist leicht, die Seegurke zu unterschätzen", so Dr. Iria Fernandez-Silva. "Seegurken sehen komisch aus, bewegen sich langsam, und erbrechen ihre Eingeweide, wenn sie erschreckt werden. Aber diese wirbellosen Tiere sind die Superstars der Ozean-Reiniger, die enorm wichtig sind für die Meeresökosysteme. Unsere Studie untersucht die Genetik der wirtschaftlich wichtigen Art Holothuria edulis, um zu verstehen, welchem Druck diese ausgesetzt ist global bedrohte Seegurken zu schützen."

Wie andere Seegurken benutzt die untersuchte Art ihre Eingeweide zur Reinigung von Meeresböden und Korallenriffen. Die nachtaktive „Hotdog-Seegurke“ kriecht auf der Suche nach Nahrung über den sandigen Meeresboden. Mithilfe ihrer Fresstentakeln gelangt während seiner Bewegung Sand und Schutt in den Verdauungsapparat des Tieres. Dabei filtert es Nährstoffe aus dem Geröll (tote Pflanzen und tierisches Material). Am Ende scheidet es den gereinigten Sand, angereichert mit Sauerstoff, wieder aus.

Gesunde marine Ökosysteme sind auf Tiere, die einen solchen Reinigungsservice anbieten, angewiesen. Bleibt dieser aus, kann die Fülle des Gerölls einen negativen Einfluss auf die Zier- und Pflanzenwelt haben und die Gesundheit des gesamten Ökosystems gefährden.

Die wachsende Nachfrage nach Seegurken als Lebensmittel und auch Medizin in Ostasien hat weltweit den Fischereidruck auf die Tiere erhöht. Die Überfischung kann zum Aussterben einzelner Seegurkenarten führen, die schon heute durch Meeresverschmutzung und die Zerörung ihrer Lebensräume bedroht sind. Aktuell sind mindestens 16 Arten von Seegurken vom Aussterben bedroht und in in der Roten Liste der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) verzeichnet.

Für die aktuelle Studie ist das Forscherteam rund um die Insel Okinawa gereist, um den genetischen Austausch zwischen den verschiedenen Populationen der dort überfischten „Hotdog-Seegurke“ zu untersuchen

Die Forscher interessierten sich für die genetische Vielfalt - ein extrem wichtiger Faktor bei der Bestimmung, ob eine Population überleben kann. Eine Population von Organismen, der die Vielfalt fehlt, ist anfälliger für Bedrohungen wie etwa Krankheiten.

"Wir sahen geringe genetische Vielfalt in einigen Seegurken-Populationen entlang der östlichen Küste Okinawas, wo das Wasser durch die Industrie verschmutzt ist. Im Gegensatz dazu waren die  Populationen an unberührten Stellen an der Westküste der Insel genetisch vielfältig. Da die  Populationen voneinander getrennt zu sein scheinen, könnte die Überfischung den Tieren den Gar aus machen. Die gefährdeten Seegurken-Populationen sind für ein Comeback genetisch schlecht gerüstet", so Fernandez-Silva.

Die Forscher mahnen: Die Seegurken sollten als wertvoller mariner Ökosystem-Reiniger geschützt werden. Fernandez-Silva und weitere Kollegen forschen derzeit an verschiedenen Seegurkenarten im südlichen Japan. Ihre vorläufigen Ergebnisse zeigen ähnliche Verbindungen zwischen verschmutzten Umgebungen und geringer Bevölkerungsvielfalt.

Infos: www.calacademy.org/

Link zur Studie: link.springer.com/article/10.1007/s10592-016-0823-8