Ausrottung des Roten Thunfisch ist beschlossene Sache

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02.12.2006 18:02
Kategorie: News

Ausrottung des Roten Thunfisch (Blauflossenthunfisch) im Mittelmeer ist "beschlossene Sache" - so lautet die aktuellste Schlagzeile zur Legalisierung internationalen Verbrechens an der Natur!

28. November 2006, Quellen: WWF / SZ / GRD - Gerade erst hatten Wissenschaftler eindringlich vor dem weltweiten Zusammenbruch sämtlicher kommerziell nutzbarer Fischbestände gewarnt, da fiel der Internationalen Kommision für den Schutz des Tunfisch im Atlantik (ICCAT) auf ihrem jährlichen Treffen in Dubrovnik nichts besseres ein, als die Fangquote für den Roten Tunfisch oder Blauflossenthunfisch (Thunnus thynnus) für 2007 im Mittelmeer nur geringfügig von 32 000 Tonnen auf 29 500 Tonnen zu senken.

Natur- und Meeresschützer quittierten die unverständliche Entscheidung mit Entsetzen. Die ICCAT ignorierte sogar den Rat ihres eigenen Wissenschaftsgremiums, das eine Halbierung der Fangquote gefordert hatte. Ebenso wurde eine Verlängerung der fangfreien Zeit während der Laichperiode abgelehnt, wie auch ein Wiederaufbauprogramm für die stark bedrohten Bestände. Da die Thunfisch-Fänge im Mittelmeer durch illeagle Piratenfischerei tatsächlich um ein vielfaches über der jeweiligen offiziellen Quote liegen dürften, wird der Rote Thunfisch sicher bald aus dem Mittelmeer verschwunden sein. "Diese Entscheidung ist das Todesurteil für den Roten Tunfisch. Und die EU trägt die Hauptverantwortung in diesem traurigen Spiel", erklärt Dr. Sergi Tudela, Fischereiexperte des WWF-Mittelmeerbüros. Der ICCAT gehören 42 Staaten an, darunter sämtliche EU-Mitgliedsstaaten und Japan. Die japanische Regierung hatte zwar die Reduzierung der Fangquoten in Dubrovnik mitgetragen und nannte sie einen wichtigen Beginn für den Erhalt der Thunfisch-Bestände, aber bereits jetzt werden steigende Sushi-Preise befürchtet. Dies werde den Preis für die japanischen Nationalgerichte Sushi und Sashimi "auf jeden Fall" beeinflussen, sagte ein Sprecher der Japaner. Die 127 Millionen Einwohner Japans verzehren Unmengen von Fisch und Meeresfrüchten. Besonders beliebt ist der lokal bereits fast ausgerottete Rote Thunfisch oder Blauflossenthunfisch, der in großen Mengen für Sushi, in dem er roh mit Reis serviert wird, und für das ebenso beliebte Sashimi, wo er ebenfalls roh, aber ohne Reis serviert wird, genutzt wird.

Wissenschaftlern zufolge wird derzeit weltweit dreimal mehr Thunfisch gefischt, als für den optimalen Erhalt notwendig wäre. So sind die Bestände des Roten Thun vielerorts, wie bei den Balearen, durch den enormen Fischereidruck zusammengebrochen oder stehen kurz davor. Allein die gesamten japanischen Importe aus dem Mittelmeer belaufen sich auf rund 25 000 Tonnen.

Der Rote Thunfisch ist ein räuberischer Gigant, der bis zu 700 Kilogramm auf die Waage bringen kann. Wegen seiner ungewöhnlich schnellen Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 km/h wird er auch als "Ferrari" unter den Fischen bezeichnet. Eine Atlantikdurchquerung kann ein Roter Thun in nur 40 Tagen schaffen.

Lesetipp: Ausbeutung der Ozeane - EU und Island setzen Signale für Fortsetzung zerstörenden Fischfangs (Artikel auf ND-Online http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=101039&IDC=9)