Angesaugt und ausgespuckt

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09.03.2016 06:54
Kategorie: News

Florida: Taucher wird von Atomkraftwerk verschluckt

Was der Taucher Christopher Le Cun bei einem Tauchgang in Florida erlebte, gleicht einem bizarren Horrortrip: Er wurde bei einem Tauchgang in ein Kühlungsrohr eines Atomkraftwerks gezogen und hat den Vorfall glücklicherweise unbeschadet überlebt. Jetzt verklagt er den Betreiber des AKW.

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Gegenüber dem US-amerikanischen Sender CNN schilderte Le Cun den Vorfall. Demnach war er im Juli 2015 mit Familie und Freunden zu einem Bootstauchgang vor St. Lucie im Süden Floridas aufgebrochen. Nahe einer im Wasser schwimmenden Boje habe er unter Wasser einen Schatten gesehen und sei mit einem Freund abgetaucht, um diesen zu erkunden.

Ganz plötzlich habe er dann eine sehr starke Strömung gespürt. Dann sei er in eine riesige Röhre gesogen worden und habe komplett die Kontrolle über die Situation verloren, so Le Cun. Er sei sehr heftig durch das Wasser gewirbelt worden: "Ich musste meine Tauchmaske festhalten und habe erst nach 20 bis 30 Sekunden meine Orientierung wiedergefunden.“ Er sei vier oder fünf Minuten lang durch völlige Dunkelheit in dem Rohr getaumelt.

Laut dem Betreiber des Atomkraftwerks, Florida Power & Light Co., hat das Rohr einen Durchmesser von fünf Metern und ist zirka 350 Meter lang.

Plötzlich habe Le Cun in der Distanz ein kleines Licht gesehen - fast so, als würde jemand ein Zündholz anzünden. „Ich wurde ins Sonnenlicht ausgespuckt, in einen Kanal voller Fische“, so Le Cun gegenüber dem Sender. Er war in einem Zwischenbecken des Atomkraftwerks gelandet. Er sah einen Arbeiter, der ihn fragte, wie er dort hereingekommen sei. Der Arbeiter gab an, dass Le Cun ziemliches Glück gehabt hätte, er  in fünf Minuten Feierabend gemacht hätte. Le Cun lieh sich das Handy des Arbeiters und versuchte, seine Frau zu anzurufen. Diese konnte den Anruf allerdings nicht entgegennehmen, da sie damit beschäftigt war, den Notruf und die Wasserwacht zu verständigen.

Le Cun hat seinen Ansaug-Trip überlebt. Jetzt verklagte er die Betreiberfirma und behauptet, das Ansaugrohr wäre nicht markiert gewesen, und kein Hinweis hätte ihn davor gewarnt, dort zu tauchen. Das sieht ein Sprecher des Atomkraftwerks natürlich anders und weist darauf hin, dass es eine Abdeckhaube vor dem Ansaugrohr gäbe. „Der Taucher schwamm vorsätzlich in eine der Ansaugrohre“, sagte er, „Es gibt eine riesige Boje oberhalb des Rohrs, die dort installiert ist, seit es das Kraftwerk gibt und Schwimmer warnt, 30 Meter Abstand zu halten.“ Le Cun gab zu, eine Art Schutzkappe gesehen zu haben: „Das Ding war aber nicht dazu präpariert, irgendetwas oder jemanden fern zu halten.

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Video eines Berufstauchers der an einer Ansauganrichtung für ein Atomkraftwerk arbeitet.


Gegenüber CNN sagte Le Cun, dass er und ein Freund die Boje gesehen hätten und wissen wollten, was sich darunter befand. Er ist sich sicher, dass auf der Boje kein Warnhinweis angebracht war. „Ich weiß das, weil ich mein Boot an der Boje festgemacht hatte“, beteuerte er. Bereits 1989 wurde schon einmal ein Taucher von einem Rohr des Kraftwerks eingesogen. Der betroffene Taucher, William Lamm, überlebte ebenfalls. „Ich dachte, ich müsse sterben. Es war dunkler als jede Dunkelheit, die ich zuvor erlebt hatte. Ich taumelte und wurde hin und her geschleudert“, erzählte er „United Press International“.

Le Cun gab nach dem Vorfall an, er wisse nicht genau, ob er jemals wieder tauchen wolle: „Tauchen ist etwas, was ich immer genossen habe, zusammen mit meiner Familie und Freunden. Aber seit dem Vorfall war ich nur einmal unter Wasser und es machte keinen Spaß. Vielleicht werde ich es eines Tages noch einmal probieren.