ACTIONPRO X7 – der GoPro-Rivale stellt sich vor. Neue Actionkamera für Taucher - Teil 2

Teile:
24.11.2013 21:11
Kategorie: Ausrüstung


Im ersten Teil haben wir berichtet wie die X7 im Vergleich zu Hero3 Black aussieht, was sie im Einstellungsmenü besser macht und wie sie sich in Sachen Batterielaufzeit schlägt. Außerdem betrachtet wurden die Unterschiede des Dynamikumfangs und die Farbwiedergabe der beiden Kameras bei einem ersten Trockentest.

Bericht von Andreas Abstreiter

In Teil 2 der Testreihe geht es um einen für Unterwasseraufnahmen sehr wichtigen Punkt, das Bildrauschen bei schlechtem Licht. Wir testen wie sich die X7 im Vergleich zur GoPro Hero3 Black unter Wasser filmt. Denn schließlich hat Actionpro der Kamera einen Weißabgleich für Unterwasseraufnahmen spendiert, ein Feature, das man bei der Hero3 Black vergeblich sucht.

Das Bildrauschen


Kommen wir zu einem der wichtigsten Kriterien für eine Kamera, die unter Wasser gute Aufnahmen machen soll: dem Bildrauschen bei wenig Licht.

Eine gute, rauscharme Aufnahme bei schlechten Lichtbedingungen ist eine Paradedisziplin der Hero3 Black. Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig der Sensor auch bei schlechten Lichtbedingungen rauscht. Dies gilt hauptsächlich für die Einstellung Wide. Sobald man die Hero3 auf Medium oder gar Narrow stellt, zoomt sie im Prinzip digital ein, um den Bildausschnitt zu verkleinern. Das hat logischerweise ein stärkeres Bildrauschen zur Folge, da dieses sozusagen mitvergrößert wird.

Die Actionpro X7 kann den Bildausschnitt ganz ähnlich wie die GoPro verengen. Nach Auskunft des Herstellers wird dies jedoch mit einem anderen Verfahren erreicht; das hat weniger Bildrauschen bei engen Bildwinkeln zur Folge.

Und wie sieht das nun in der Praxis aus?
Für den Trockentest standen wieder beide Kameras Seite an Seite und filmten das gleiche Motiv im Münchner Sea Life bei gleichen (schwachen) Lichtbedingungen in FullHD bei 30 Frames pro Sekunde. Zuerst in der Einstellung Wide, dann Medium und schließlich Narrow.

Das Ergebnis:
Im Modus Wide nehmen sich die beiden Konkurrenten nicht viel. Beide liefern für ihre Klasse ein erstaunlich geringes Bildrauschen. Wobei auch hier die Hero3 Black wieder das deutlich hellere Bild liefert, während die Schatten bei der X7 härter, aber auch realistischer sind.



Vergleichsaufnahme im Modus Wide. Beide Kameras zeichnen sich durch wenig Rauschen aus.



In den Modi Medium und Narrow sieht es jedoch etwas anders aus. Während in Medium die Unterschiede noch moderat aber sichtbar sind, trennt sich im Modus Narrow die Spreu vom Weizen. Um es gleich kurz und knapp zu machen, die Actionpro X7 ist der klare Sieger. Sie rauscht zwar bei wenig Licht - doch deutlich geringer als die Hero3 Black.



Vergleichsaufnahmen in den Modi Medium und Narrow.



Während die GoPro beim Rauschen auch farbige Bildinhalte produziert, das sogenannte Farbrauschen, das durch seinen Lilaschimmer besonders unangenehm auffällt, ist bei der X7 nahezu kein Farbrauschen zu erkennen. Actionpro ist in dieser Hinsicht also ein echter Fortschritt gelungen.


Der Vergleich: Hero3 Black und X7 unter Wasser


Obwohl es sich bei beiden Kameras um sehr ähnliche Typen handelt, ist der Vergleich der Hero3 Black und der X7 bei Unterwasseraufnahmen ein wenig wie der berühmte Vergleich von Äpfeln und Birnen.

Warum ist das so? Nun, die Hero3 Black verfügt, wenn man den Protune-Modus nicht benutzt (die große Mehrheit der Taucher verfährt so), über keine Möglichkeit auf den Weißabgleich der Kamera Einfluss zu nehmen. Was bleibt ist die nachträgliche Korrektur des Blau-/Grünstichs in einer geeigneten Videoschnittsoftware.



Vergleichsaufnahme im Blauwasser.


Will man es sich dabei etwas einfacher machen, sprich den Rotanteil nicht völlig abdriften lassen, bleibt nur der Gebrauch eines Rotfilters (Blauwasser), bzw. eines Magentafilters im Grünwasser. Der Einsatz dieser Filter ist nicht unumstritten, da sie natürlich Licht schlucken, oft die Bildschärfe verringern und kein Allheilmittel sind, da ihre Wirkung je nach Tiefe an physikalische Grenzen stößt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Einen manuellen Weißabgleich, mit dem man je nach Tiefe und Lichtsituation neu kalibrieren kann, hat die Hero3 Black nicht. Die X7 übrigens auch nicht, aber im Gegensatz zur GoPro hat sie einen speziellen Weißabgleich für Unterwasseraufnahmen, ähnlich wie viele Kompaktkameras ihn haben. Diese erzielen damit in geringen Tiefen ganz gute Ergebnisse. Man muss also bei der Hero3 Black für den "Unterwasserweißabgleich" mechanisch per Filter sorgen, während die X7 das elektronisch bei der Aufnahme erledigt.



Vergleichsaufnahme im Freiwasser.


Egal ob man im Grünwasser oder im Blauwasser filmt. Eines hat die X7 ihrer Konkurrentin immer voraus: die etwas größere Bildschärfe.

Kommen wir zum Blauwasser. Wie in dem Video zu diesem Bericht sichtbar ist, macht die X7 bei eingeschaltetem Aqua-Modus und der Verwendung von Kunstlicht (in diesem Fall waren es zwei Sola Light 1200), Aufnahmen mit knackigen Farben, die eigentlich fast keine Nachbearbeitung mehr benötigen. Die Hero3 Black dagegen hat trotz Kunstlicht deutlichen Verbesserungsbedarf in Sachen Farben und Kontrast.

Auch ohne Licht und in einer Tiefe unter 10m, wo der Rotanteil des Tageslichts praktisch nicht mehr vorhanden ist, kann man die Aufnahmen der beiden Kameras gut unterscheiden. Die GoPro neigt zu einem Mix aus Grün und Blau, die Actionpro regelt das gesamte Bild in ein ausgeglichenes Blau.

Im Grünwasser sieht es etwas anders aus. Hier ist der Aqua-Modus wie so vieles im Leben Geschmacksache. Mir persönlich erschienen die Aufnahmen der GoPro mit Magentafilter von den Farben her realistischer als die der Actionpro. Die Actionpro wiederum bietet die realistischeren Kontraste. Allerdings spricht auch bei der X7 nichts dagegen den Aqua-Modus zu deaktivieren und ebenfalls mit einem Magentafilter zu arbeiten. Gleiches gilt natürlich auch für das Blauwasser, wenn man kein Kunstlicht zur Verfügung hat oder nicht damit filmen will/kann. Natürlich kann man auch hier ohne Aqua-Modus arbeiten und mit einer orangen oder roten Filterfolie experimentieren.


Video zum Thema:

 


Video Actionpro X7 vs GoPro Hero3 Black Edition, Teil 2.

Ein besonderer Dank geht an Andreas Baldauf für die Blauwasseraufnahmen der GoPro Hero3 Black und der Actionpro X7.



Fazit


In Sachen Coolness geht das Augenmerk sicherlich in Richtung GoPro, auch wenn die dahinter stehende Technik durchaus kleinere Mängel hat. Kann ein Newcomer gegen diesen Hip-Faktor ankommen, selbst wenn seine Firmware tadellos funktioniert und er sogar vieles besser macht? Ich denke, das wird sehr schwierig, selbst wenn man technisch und vom Preisniveau her bei Actionpro die besseren Karten hat.

Etwas anders sieht es aus, wenn man die Unternehmensstrategie bezüglich uns Tauchsportlern ansieht. So hat GoPro erst kürzlich die neue Hero3+ Black Edition vorgestellt. Abgesehen von der um 30-40% längeren Akkulaufzeit hat sich dort in Sachen Unterwassereinsatz nichts getan. Einen Weißabgleich für Unterwasseraufnahmen vermisst man dort immer noch. Durch die Entscheidung das Gehäuse dünner zu machen, um Gewicht zu sparen, ist es nun nur noch bis zu 40m wasserdicht, wohingegen die Actionpro X7 und die "alte" Hero3 Black in einem Gehäuse stecken, das bis 60m zugelassen ist. Das Tauchen scheint bei GoPro immer noch keinen nennenswerten Anteil zu haben, sonst hätte man beim Update das Gehäuse der beliebten Black Edition nicht zugunsten einer Gewichtsersparnis geschwächt (siehe auch Bericht Hero3+ vs. Black Edition).



Vergleichsaufnahme im Grünwasser.


Preislich ist die Actionpro günstiger als die (noch) verfügbare Hero3 Black. Denn auch wenn die Händler die Preise des Vorgängermodells im Zuge der Neuerscheinung der Hero3+ Black auf ca. 350 Euro abgesenkt haben, so bekommt man die X7 für sehr günstige 279 Euro (Stand Nov. 2013) mit deutlich mehr Zubehör als bei GoPro. Dieses muss bei der kalifornischen Action-Cam nämlich erst noch teuer hinzugekauft werden. Exemplarisch möchte ich hier nur das bei der X7 bereits integrierte Display erwähnen, für das man bei GoPro nochmals fast einhundert Euro hinlegen muss, sowie das Skeleton-Gehäuse (The Frame, GoPro) und den Stativ-Adapter. Unter rein finanziellen Gesichtspunkten muss man also zur Actionpro X7 greifen.

Und wie sieht es technisch aus?
Was die Actionpro X7 nicht bieten kann, sind Auflösungen jenseits von 1080p sowie die Möglichkeit Aufnahmen im Camera Raw-Modus zu machen, ähnlich wie das bei der GoPro mittels Protune möglich ist. Ob beides benötigt wird, muss jeder User selbst für sich entscheiden. Die meisten von uns werden derzeit noch Probleme haben, Material mit 2,7K oder gar 4K vernünftig zu schneiden, nachzubearbeiten oder am Ende auf einem entsprechenden TV wiederzugeben.

Ebenso muss man auf bei der GoPro liebgewonnene Features, wie den Upside-Down-Modus oder filmen und dabei gleichzeitig Fotos schießen, verzichten. Das Display der X7 ist für Taucher nicht gerade das Gelbe vom Ei, es ist sehr dunkel und der Blickwinkel darauf darf nicht zu schräg sein. Die Spiegelungen an sich sind schon sehr stark, was gerade im Flachwasser bei starker Sonneneinstrahlung ein Problem ist.

Dafür verbraucht es anscheinend deutlich weniger Strom als das Display der GoPro, welches in der neuesten Version als Touchscreen erhältlich ist. Der unter Wasser allerdings nicht als solcher genutzt werden kann, sondern nur konventionell über die Tasten bedienbar ist.

Während bei der Hero3 Black unter Wasser ein Filter nötig ist, um ein Abdriften der Farben ins Grünblau zu vermeiden, leistet der Aqua-Modus der X7 in den meisten Situationen gute Dienste. Warum GoPro so etwas nicht bereits mit Einführung des Unterwassergehäuses mit flacher Linse in die Firmware integriert hat und stattdessen bis heute auf Protune und Camera Raw verweist, bei dem man immer zur Nachbearbeitung der flauen Farben, der mangelnden Schärfe und des Bildrauschens gezwungen wird, ist mir ein Rätsel. Denn nicht jeder, der unter Wasser filmt, möchte anschließend viel Zeit mit der Nachbearbeitung verbringen. Die Mehrheit möchte einfach nur ansehnliche Urlaubserinnerungen aus dem Wasser mitbringen.


Ergänzende Informationen


Vergleich Actionpro X7 - GoPro Hero3 (Teil 1)

Testbericht GoPro Hero Black Edition

Vergleich GoPro Hero3+ und GoPro Hero Black Edition




Und genau dafür sind sie auch gemacht, die Actionkameras. Um Momente ohne großen Aufwand in den unmöglichsten Situationen einfangen zu können. Die X7 erweitert diese Möglichkeit -dank Aqua-Modus - ohne großen Aufwand und Kauf von Filtern um die Unterwasserwelt.

Nur am Rande: Mein persönlicher Wunsch als Taucher an die Actionkamera-Hersteller dieser Welt wäre in diesem Zusammenhang ein manueller Weißabgleich, der sich einfach durch einen beliebigen Tastendruck bei einem Wechsel der Tiefe bzw. der Lichtverhältnisse aktivieren lässt. Doch dies wird wohl ein Wunsch bleiben...

Die Actionpro X7 macht unterm Strich vieles besser, was bei der GoPro Hero3 Black immer kritisiert wurde: Akkulaufzeit, Handhabung, Farbwiedergabe, Bildrauschen im Modus Narrow und Zuverlässigkeit; also die Dinge, die man unter Wasser an einer Kamera zu schätzen weiß, sind bei der X7 besser umgesetzt als bei der Hero3 Black. In meinen Augen ist der Marktauftritt der Actionpro X7 daher eine durchaus gelungene Kampfansage an GoPro. Und nebenbei eine fast ideale "Immer-dabei-Kamera" für uns Neoprenfische.