#fischdetektive sammeln genetische Flossenabdrücke

Teile:
29.11.2017 08:56
Kategorie: News

Der richtige Fisch kommt auf den Tisch

Umfangreiche Studie zur Herkunft und Kennzeichnung von Speisefischen zeigt nur wenige Ausreißer: Werden Art und Herkunft von Fisch- und Meeresprodukten korrekt bezeichnet? Dies untersuchten Kinder und Jugendliche in Zusammenarbeit mit dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Die bisher umfangreichste Studie dieser Art, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 - Meere und Ozeane stattfand, zeigt, dass nur wenige Fischproben falsch etikettiert waren.
 

Gallery 1 here

Kann sich der Verbraucher sicher sein, dass Fisch und Meeresprodukte auch korrekt bezeichnet werden? Wo und wie wurden sie gefangen? Diese und andere Fragen wurden im Rahmen des Projektes #fischdetektive untersucht, das vom GEOMAR koordiniert wird. Das „Citizen Science“-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 - Meere und Ozeane gefördert.
 
In einer bundesweiten dreiwöchigen Kampagne haben Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren während der „#fischdetektive challenge“ im Juni diesen Jahres insgesamt 647 Fischgewebeproben gewonnen und mit ausgefüllten umfangreichen Fragebögen ans GEOMAR geschickt. „Aus den Proben konnten wir in 468 Fällen einen genetischen Barcode, eine Art genetischen Flossenabdruck, gewinnen und so die Identität der Fische überprüfen“, erläutert Projektkoordinatorin Dr. Anna Bockelmann vom GEOMAR.
 
Die gute Nachricht ist: Beim größten Teil der Fische stimmte die im Handel angegebene Fischart mit dem genetischen Barcode überein. Nur bei 5% der Fische (insgesamt 24) war dies nicht der Fall. Unter diesen waren neun Fische, bei denen man eine absichtsvolle Fehletikettierung annehmen kann. Hier war zum einen anstelle einer teureren Fischart eine preiswertere verkauft worden (ein sogenanntes "upgrading", 6 Fälle). Bei drei weiteren Proben wurden atlantische durch pazifische Arten ersetzt. Die häufigsten eingeschickten Fischarten waren Alaska-Seelachs gefolgt von Seelachs und Kabeljau/Dorsch. Insgesamt konnten 40 verschiedene Fischarten identifiziert werden. Die meisten Fische wurden mit Schleppnetzen im Nordostatlantik gefangen und als tiefgefrorenes Filet im Supermarkt gekauft.
 
Die vorliegende Studie beruht mit 468 Proben auf etwa viermal so vielen Datenpunkten wie die einzige bisher existierende deutsche Studie zu dieser Fragestellung. Diese wurde allerdings nur im norddeutschen Fischhandel durchgeführt. „Damit besitzen wir nun erstmalig eine solide Datenbasis zum Thema Fehletikettierung in Deutschland“, so Dr. Bockelmann. Die GEOMAR-Wissenschaftler konnten zudem zeigen, dass Kinder und Jugendliche so akkurat und präzise arbeiten können, wie dies für ein wissenschaftliches Projekt notwendig ist. Außerdem zeigt das Projekt eindrucksvoll die Vorteile eines Bürgerforschungsprojektes. „Wir erhielten Proben aus ganz Deutschland, was die Ergebnisse sehr repräsentativ macht“, so Anna Bockelmann. Die vollständigen Ergebnisse und Begleitinformationen können auf der Website www.fischdetektive.de eingesehen werden.
 
Mehrere Untersuchungen hatten zuvor in anderen europäischen Ländern deutlich höhere Fehletikettierungen gefunden und für erhebliches Aufsehen gesorgt. Bei genauerem Hinsehen beschränkten sich diese Studien allerdings auf solche Segmente der Fischprodukte, wo eine Fehletikettierung einfacher ist (z.B. Sushi, Plattfischfilets oder verarbeitete Fischprodukte). Die #fischdetektive untersuchten unverarbeiteten Fisch. „Um Studien miteinander vergleichen zu können, muss sehr genau auf die Untersuchungsbasis geschaut werden, sonst vergleichen wir Äpfel mit Birnen“, erläutert Prof. Dr. Thorsten Reusch vom GEOMAR, der die Studie mit geleitet hat.