565 Mio. Jahre Sex! Wir gratulieren!

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26.03.2008 17:13
Kategorie: News

Frühe Ökosysteme waren komplexer als angenommen



Ediacara, 25.03.2008 - Einfache Organismen haben sich bereits vor 565 Mio. Jahren geschlechtlich vermehrt. Zwei Wissenschaftler wollen anhand von Fossilien im Süden Australiens Hinweise darauf gefunden haben, dass sich die Wurm-ähnliche Funisia Dorothea bereits mit anderen Organismen fortpflanzen konnte. Bislang hatte man angenommen, dass dies erst viel später möglich gewesen sei. "Die Fossilien der Funisia beweisen, dass Ökosysteme bereits sehr früh in der Geschichte der Lebewesen komplex waren und zwar bevor Organismen Skelette entwickelt hatten und sich Räuber verbreiteten", so Forschungsleiterin Mary Droser.

Bislang nahm man an, dass die frühesten mehrzelligen Lebewesen sehr einfach waren und sich die Strategien, die Tiere heute nutzen um zu überleben, sich fortzupflanzen und zu vermehren, erst später aufgrund verschiedener Faktoren entwickelt hätten. Zu diesen Einflüssen zählten evolutionäre und ökologische Notwendigkeiten, die durch Räuber und den Wettkampf um Nahrung und andere Ressourcen entstanden seien. Nun vermuten die Wissenschaftler jedoch, dass sich die Funisia bereits während des Neoproterozoikums, das vor etwa 540 Mio. Jahre endete, ähnlich wie heutige Lebewesen fortpflanzte.

Da es keine Räuber gab, bedeckte die Funisia Dorothea damals im Überfluss den Meeresboden. Droser fand Spuren des Organismus erstmals im Jahr 2005 in Süd-Australien. Die Fossilien zeigten nicht nur, dass der Wurm-ähnliche Organismus etwa 30 Centimeter lang war, sondern auch, dass die Lebewesen in Gruppen auftraten. Dies lasse ein Muster von Vermehrung erkennen, das sich häufig bei sexueller Fortpflanzung zeige, so Droser. "Im Allgemeinen wachsen Individuen unter anderem deshalb nah beieinander, um den Erfolg der Reproduktion zu sichern. In der Funisia sehen wir sehr wahrscheinlich geschlechtliche Fortpflanzung - möglicherweise das erste Mal in der Geschichte der Lebewesen auf unserem Planeten."

Große Ansammlungen von gleich großen Exemplaren lassen zudem vermuten, dass die Funisia große Mengen an Nachkommen auf einmal reproduzieren konnte. Bei lebenden Organismen resultiere eine so hohe Anzahl von neuen Individuen fast ausschließlich aus geschlechtlicher Fortpflanzung. "Obwohl wir die genauen Verhaltensweisen vieler dieser ältesten Lebewesen nicht kennen, wissen wir, dass ihre Gemeinschaften ähnlich wie heute strukturiert waren", kommentiert die Paläontologin Rachel Wood. Die Beschaffenheit der frühen Ökosysteme könne außerdem Hinweise darauf geben, wonach wir auf anderen Planeten suchen müssen, so Droser.


Quelle: pressetext.austria