1.100 Forscher fordern Schutz der Tiefsee-Korallenriffe

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16.02.2004 14:56
Kategorie: News
Kuala Lumpur/Seattle

Über 1100 führende Meereswissenschafter aus 69 Staaten fordern heute Sofortmaßnahmen, um die bedrohten Ökosysteme der Tiefsee unter Schutz zu stellen, berichtet das Marine Conservation Biology Institute http://www.mcbi.org von der Konferenz über Biologische Vielfalt CBD, welche derzeit in Kuala Lumpur stattfindet. Heftig kritisiert werden dabei die aktuellen Fangmethoden, bei denen die Ozeanböden mit Netzen durchpflügt werden, um so an die wertvollen Speisefische zu gelangen. Die Meeresforscher haben in Kuala Lumpur ein Moratorium gegen die Verwendung von Grundschleppnetzen unterfertigt, das an die UNO weitergegeben werden soll. "Fischen mit Grundschleppnetzen ist so, als würde man mit einem Bulldozer durch einen Teich fahren, um die Fische zu fangen", meint der Fischereiexperte Elliot Norse. "Die Methode ist tödlich effizient: Die Fische werden relativ einfach und schmerzlos gefangen, wenn es einem egal ist, das gesamte Leben am Meeresgrund völlig kaputt zu machen", erklärt der Präsident des US-Marine Conservation Biology Institute.

Mit den Grundschleppnetzen wird der Ozeanboden in ein bis zwei Kilometern Tiefe quasi umgepflügt, da sehr schwere Stahlgewichte über den Grund des Meeresbodens gezogen werden. Die Forscher kritisieren diese Methode auch deshalb, weil die Reproduktionszyklen in der Tiefsee wesentlich länger dauern. Erst kürzlich haben Wissenschaftler in den Tiefen der kalten Ozeane Korallenriffe entdeckt, in denen "Korallenbäume" von bis zu zehn Meter Größe wachsen. Manche dieser Spezies sollen bis zu 2.000 Jahre alt sein. "Diese Gebiete sind die zukünftigen Quellen der Human-Medizin, sie sind die besten Klimastatistiker, die es gibt, und sie sind der Lebensraum für viele kommerziell bedeutende Fischarten", fasst Norse den Wert dieser fragilen Habitate zusammen. Diese Korallenriffe sind wie "Regenwälder der Tiefsee", meint die Greenpeace-Meeresbiologin http://www.greenpeace.de Nina Thüllen. Die Umweltorganisation stellt sich massiv gegen die hemmungslose Ausbeutung der Meere. "Da zahlreiche Fischbestände vor dem Zusammenbruch stehen, durchkämmen hochtechnisierte Fangflotten die Tiefen der Weltmeere auf der Jagd nach den letzten Fischbeständen", so Thüllen. Die Schleppnetze können so groß sein, dass bis zu zwölf Jumbojets in ihnen Platz finden. In eine Netzfüllung passen 600 Tonnen Fisch. Die Umweltorganisation kritisiert auch die großen Mengen an quasi nutzlosem Beifang: "Pro Kilogramm Seezunge werden beispielsweise zehn Kilo Beifang mitgefischt", argumentiert Greenpeace. Die Forscher in Kuala Lumpur haben erklärt, dass die Tiefsee-Korallen Riffe erst vor kurzem entdeckt wurden. Diese befinden sich etwa vor den Küsten von Japan, Tasmanien, Neuseeland, Alaska, British Columbia, Kalifornien, Neuschottland, Maine, North Carolina, Florida, Kolumbien, Brasilien, Norwegen, Schweden, Großbritannien, Irland und Mauretanien. Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es wesentlich mehr Spezies von Kaltwasser-Korallen als von tropischen. Die Wissenschafter appellieren an die UNO-Mitgliedsstaaten auf Hoher See sofort ein weltweites Verbot der Fischerei mit Grundschleppnetzen zu verhängen. Die Regierungen werden aufgefordert, ein wirksames Netzwerk aus Meeresschutzgebieteneinzurichten.