Eure Tips zur Bildgestaltung von Unterwasserfotos Abgesandt von Sebastian_O. am 06.09.2008 - 03:41:
Moin Knipsfreunde,
durch diesen Thread angeregt Hier klicken möchte ich mal in die Runde fragen, was Ihr so für Tips zum Thema Bildgestaltung habt. Was sind Eurer Meinung nach die Grundregeln für die UW-Fotografie? Welche Leitmotive habt Ihr beim Knipsen stets im Hinterstübchen? Ich bin gespannt!
Hier mal mein Beitrag aus dem besagten Thread:
Mit der Zeit kommt man dahinter, was die anfänglichen Fehler bei der Bildgestaltung sind und wie man sie grundsätzlich vermeiden kann. Meiner Meinung nach gibt es zwei entscheidende Grundregeln der Bildgestaltung, die gerade für die UW-Fotgrafie elementar sind. Befolgt man diese, ist das schöne Bild schon halb im Kasten.
1. Knipse nie nach unten, auch nicht schräg. Allein schon wegen der Lichtverhältnisse ist das Unterwasser keine gute Idee. Auch mit dem stärksten Blitz im klarsten Tropenwasser fotografiert man nur ein farbloses Loch, das ins Dunkel übergeht. Meine Empfehlung ist, mindestens waagerecht zu knipsen, am besten sogar eher mit leichter Untersicht. Im Gegensatz zur Überwasser-Fotografie sollte man Gegenlichtaufnahmen eine viel größere Beachtung schenken. Aufgeblitzt können wirklich schöne Bilder enstehen (hier hilft ein externer Blitz ungemein)
2. Bring Tiefe in das Motiv. Es ist optisch verwirrend, wenn das gesamte Bild nur aus wilden Korallenmustern besteht und sich dann genau mittig platziert als Extrafarbklecks noch eine Nacktkiemenschnecke befindet... Punkt 1 beachtend, sollte man also immer versuchen, einen Vorder-, Mittel- und Hintergrund aufzubauen (hier hilft ein Weitwinkel ungemein). Ich persönlich versuche nach Möglichkeit, ein wenig Blauwasser ins Bild zu bringen.
Meiner Erfahrung nach entstehen schöne oder zumindest interessante Bilder fast wie von alleine, wenn man diese beiden Grundregeln beachtet. Natürlich gelten sie dann doch nicht für alle Motive, aber den Großteil kann man auf diese Weise gut in Szene setzen. Wie Wilf(ried?) in dem oben verlinkten Thread geschrieben hat, kommen natürlich noch Überlegungen hinzu, wie eine Bildaufteilung nach dem goldenen Schnitt usw.
Gruß, Basti
Antwort von Sebastian_O. am 06.09.2008 - 04:01 Achja: Bei Fischen von hinten braucht man meist gar nicht erst abzudrücken
Es gilt quasi: Alles was aus dem Bild flieht, ob optisch oder "physisch", sieht nicht gut aus.
- es muß auch nicht immer der grelle Blitz der Kamera sein, der bei Makroaufnahmen das Motiv ausleuchtet. Ohne externen Blitz (also nur mit dem eingebauten) sind meistens die unteren Bereiche des Fotos schlecht oder garnicht ausgeleuchtet, bzw. der obere Beréich über - der untere unterbelichtet. Hier lohnt oftmals der Einsatz einer Handlampe, die durchaus für das passende Licht sorgen kann. Dann brauch man auch keinen Rotfilter oder dergleichen.
Hier klicken Das Bild hier entstand auf ~ 33m, ohne Blitz, nur angeleuchtet mit Halogen, 20W. Die Lichtverteilung ist nicht ganz optimal, aber das bei extrem-Makro auch nicht immer so einfach.
- bei Makros gilt: Ran an das Motiv. Nehmt euch Zeit. Wenn die Kamera Funktionen wie Zeitautomatik besitzt, nutz diese. Eine gro0e Blende (also kleine Blendenöffnung) wie F8 (die die meisten Digicams haben) vergößert deutlich den Bereich der Schärfentiefe - je größer die Blende, desto größer der Schärfenbereich.
Auch ist eine mittige Plazierung des Motivs nicht immer optimal; hier helfen oft die Regeln vom "Goldenen Schnitt" oder "3/1" weiter. Das hängt aber immer vom Motiv ab.
Tips kann man sich aus dem o.g. Forum holen. Schaut man sich die (teilweise sensationellen) Übewasserbilder dort mal an, kann man schon eine Menge Parallelen zur UW-Fotografie ziehen.
Nehmt euch Zeit zum Fotografieren. Lieber 5 gute Bilder gemacht, als 30 schlechte
Wilf(ried)
Antwort von Sebastian_O. am 06.09.2008 - 11:38 Moin Wilfried,
jou, dass man mit einer Handlampe Bilder auch gut ausleuchten kann, kann ich bestätigen. Hier mal eine Bilderserie von Gammel Albo. Das Lichtleiterkabel war gebrochen und daher habe ich das ganze WE mit meiner damaligen 10W HID-Lampe für Licht gesorgt und meine Frau hat mit 50W Halogen Beistand geleistet:
Im Nachhinein war ich sogar fast froh über das kaputte Kabel, denn ich finde die Bilder recht stimmungsvoll.
Danke für Deinen Beitrag! Der Tip zur Schärfentiefe ist natürlich auch sehr gut. Diese technischen Aspekte werden ja auch öfters im Forum genannt (obwohl man gerade mit der Tiefenschärfe auch einen großen gestalterischen Einfluss auf das Motiv nehmen kann).
Mir geht es in diesem Fred vor allem um Tips zur Bildkomposition. Natürlich freue ich mich über jeden Beitrag zum Thema "gute Fotos leichtgemacht", aber Eure Erfahrungen in Bezug auf gestalterische Aspekte interessieren mich besonders. Was ist Euer persönliches Leitmotiv beim Knipsen? Habt Ihr überhaupt solch ein Leitmotiv, dass Euch fast unbewusst bei der Wahl des Bildausschnitts im Hinterkopf sitzt? Was sind Eurer Meinung nach die absoluten "No No`s" der Unterwasserfotografie?
Gruß, Basti
Antwort von Sebastian_O. am 06.09.2008 - 11:44 @Wilfried Übrigens finde ich das von Dir verlinkte Foto prima Ich persönlich mag Schlagschatten. Meiner Meinung nach geben sie dem Motiv eine gute Tiefenwirkung. Aber die Richtung und Ausdehnung des Schattens sollte man bei der Gestaltung berücksichtigen, denn damit kann man viel erreichen oder auch "kaputtmachen".
Antwort von Canon-Knipser am 06.09.2008 - 16:40 Meine Leitmotive sind ganz einfach
Ich betrachte mich als fotografierenden Taucher inmitten von ganz vielen tauchenden Fotografen.
Mir reicht es, ansprechende Dokumentationen von meinen Tauchgängen mitzubringen, die dann hoffentlich auch Familie u. Freunden gafallen.
Natürlich versuche ich, Grundregeln bei der Bildgestaltung (s.o.) zu berücksichtigen.
Wenn dann auch mal Resultate dabei sind, die auch bei `Experten` und Profis ankommen, die es in einem `Wettbewerb` auch mal aufs Treppchen schaffen o. die sich auch schon mal verkaufen lassen, dann ist das weitaus mehr, als ich mir je ausgemalt habe. Insbesondere dann, weil es sich nicht um eine sauteure DSLR mit allem Zubehör, sondern um eine relativ bescheidene Kompakt-Ausrüstung handelt.
Antwort von Sebastian_O. am 06.09.2008 - 16:59 @Canon-Knipser Da sieht man, dass es nicht darauf ankommt, eine professionelle Ausrüstung zu haben An Land benutze ich zwar auch eine DSLR, aber Unterwasser eine Sea&Sea 8000G (mit externem Blitz und Weitwinkel). Ich hänge sehr an der Kompakten, weil man sich bei einer DSLR schon vor dem Tauchgang auf das Objektiv festlegen müsste. Das Weitwinkel für die Kompakte kann ich während des Tauchgangs beliebig aufsetzen und abnehmen. Trotzdem fehlt mir die Bildqualität der SLR enorm, denn nichts hasse ich mittlerweile mehr, als Bildrauschen (und davon hat die 8000G ganz viel).
Heute wurde übrigens bei Spiegel Online ein Artikel veröffentlicht, der zum Thema passt:
Antwort von Canon-Knipser am 06.09.2008 - 17:33 @Basti
Da scheinen wir auf einer Welle zu `tauchen`
trocken schwör´ ich auch auf DSLR und natürlich offenbaren sich -obwohl die Kompakte sogar noch ein paar Pixelchen mehr hat- Welten in der (technischen) Bildqualität. Ich hab´ mir aber eine SLR angeschafft, für die es defintiv KEIN UW-Gehäuse gibt, ich will gar nicht erst in die Versuchung kommen, obwohl es schon enorm in den Fingern juckt. Trotzdem hat die Kompakte ihre Berechtigung und durchaus ihre guten Seiten - wie gesagt, ich möchte nebenbei auch noch tauchen.
Und als Tüftler und Bastler krieg´ ich auch mal ungewöhnliche Bilder damit hin, und das für `kleines Geld`.
Antwort von scuba_steffi am 07.09.2008 - 01:02 Also wenn ich im Super-Makro-Bereich knipse, dann nur im manuellen Modus, fast ausschließlich mit Blende 8 und mit Lampe. Das klappt inzwischen ganz gut. Habe mir jetzt einen Frontvorsatz zum Streuen des Lichtes für die Lampe (TillyTec TT2 mit LED 500)gekauft und bin gespannt, wie sich das auf die Qualität der Fotos auswirkt. Ich hoffe dann, dass in den Bildern die für meinen Geschmack zu hellen Stellen dunkler sind. Probier ich dann nächste Woche in Ägypten mal aus.
Hier sind ein paar der Makros dabei, da sieht man was ich meine.
Antwort von scuba_steffi am 07.09.2008 - 01:37 Ach ja und noch ein Tipp, da man ja gerne zu viel knipst, alles doppelt und dreifach knipst und dann nichts wegwerfen kann:
nach einem Jahr ist die emotionale Bindung an die Bilder deutlich geringer als direkt nach dem Urlaub und somit habe ich gerade 80% der Urlaubsbilder vom letzten Jahr gelöscht. Und weitere 10 % sind dann nächstes Jahr dran. Die restlichen Bilder sind dann wirklich auch die besten und die kann man dann archivieren.
ich finde es schade, dass dieser interessante Thread zu Thema Bildgestaltung doch wieder mehr zu Technikdiskussion „verkommt“.
Daher möchte ich mal ein paar meiner goldenen Regeln, die unabhängig von der verwendeten Kamera sind, hier zur Diskussion stellen.
- Gehe möglichst nah ran ans Motive um kräftige Farben zu erhalten.
- Versuche das Objekt so im Bild zu positionieren, dass sich ein ruhiger Hintergrund ergibt und so das Objekt stärker betont wird.
- Begebe dich auf ein (Höhen-) Niveau mit dem Objekt. Das Objekt kommt dadurch viel besser zur Geltung.
- Mache bei einem Tauchgang nur Weitwinkel oder nur Macroaufnahmen. Das erleichtert die Motivsuche und Motivauswahl und verbessert somit das Ergebnis.
Empfehlen könnte ich zu dem Thema auch folgendes Buch :
Jim Church`s Essential Guide to Composition: A Simplified Approach to Taking Better Underwater Pictures
Leider scheint es momentan nicht erhältlich zu sein.
ich würde bei der Bildgestaltung erstmal mit den Basics anfangen.
- Wie wirkt sich die Blende auf das Foto aus?
- Wie wirkt sich die Verschlusszeit auf das Foto aus?
Beide Mittel sind elementar für die Bildgestaltung. Anschließend sollte man sich mit dem goldenen Schnitt bzw. der Drittel-Regel auseinandersetzen. Diese Regeln sind allerdings nur Hinweise ... man sollte sich nicht strikt daran halten, ansonsten wirken Bilder auch langweilig.
Man sollte ein Hauptmotiv und ein Nebenmotiv haben, die Raum in das Foto bringen. Das bekannteste Szenario ist eine Rifflandschaft mit einem Taucher im Hintergrund. Man sollte ausserdem mit Diagonalen arbeiten und ein fallendes Foto vermeiden.
Ein weiteres wichtiges Element für die Bildgestaltung ist das richtige Objektiv - egal ob WW oder Macro. Im WW bzw. FE-Bereich kann man unterschiedlichste Ergebnisse erreichen und mit den verschiedenen Brennweiten spielen.
Gegen- und Mischlicht sind außerdem besonders wichtig in der Bildgestaltung, da sich damit besonders interessante Stimmungen erzielen lassen.
Zum Schluss möchte ich sagen, dass es besonders wichtig ist, dass man eine Sache auf jeden Fall im Hinterkopf behält. Es sind alles Richtlinien - die individuelle Umsetzung ist die hohe Kunst.
Ich habe auf meinem Portfolio (noch nicht ganz fertig) bereits 5 Fotos veröffentlicht.
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